Das Erzgebirge hat eine lange und interessante Geschichte.
Im 12. und 13. Jahrhundert erfolgte die Besiedelung des Erzgebirges.
Die Siedler kamen im Rahmen der Ostexpansion der deutschen Feudalherren in großen Zügen aus dem Main-Franken-Gebiet in den damals noch vollkommen undurchdringlichen Urwald. Der Miriquidi, "Dunkelwald", sollte urbar gemacht werden - natürlich sehr im Interesse der Landesherren, denen an weiteren Einnahmequellen gelegen war...
Da das Main-Franken-Gebiet schon recht dicht bewohnt war und es für die Nachkommen der Großfamilien der Bauern eng wurde, eng an Erbe und Besitz, war es verlockend, in den Ostgebieten eine neue Existenz gründen zu können. Die Siedler zogen mit einigem Vieh, Saatgut, getrockneten Nahrungsmitteln und auch mit allerhand Werkzeugen ins neue unbekannte Land. Von den Feudalherren beauftragte Anführer der Bauern leiteten die Rodungsarbeiten und die Gestaltung des neuen Dorfes. Begonnen wurde im Talgrund entlang des Baches. Jede Familie bekam einen bestimmten Streifen Land, eine Hufe.
Mit den gerodeten Bäumen bauten sich diese Menschen erste primitive Hütten. Über Jahre wurde dann der Wald hangaufwärts immer weiter zurückgedrängt. Um Ackerland zu gewinnen, mussten viele Steine beseitigt werden. Sie fanden Verwendung beim Bau neuer Häuschen. Übrig gebliebene Steine wurden als Steinrücken an der Grenze des jeweiligen Besitzes, der Hufe, gelagert. Noch heute kann man teilweise den Verlauf der alten Hufen erkennen. Zu nennen wären z.B. Waldhufendörfer wie Königswalde und Hermannsdorf.
Nun soll es sich zugetragen haben, dass ein Fuhrmann aus dem Bergrevier des Harzes kommend, mit seinem schwer beladenen Wagen tiefe Spuren bildete. Und in diesen tiefen Rillen habe er nahe Christiansdorf Silbererz gefunden. An diesem Ort gab es zu jener Zeit bereits eine Dorfsiedlung. Es folgte daraufhin 1168 im Freiberger Gebiet das "freie Berggeschrei". Alle, die dafür Interesse zeigten, wurden zum Bergbau aufgerufen. Bergleute kamen vor allem aus dem Harz, da das Bergwerk von Goslar fast zum Erliegen gekommen war.
Es entstand die Stadt, die später als Bergbauhauptstadt Freiberg bekannt und berühmt wurde. Fast zur gleichen Zeit entdeckte man im Süden des Erzgebirges auch die ersten Zinnerze. Mit der Suche nach dem Erz wurden im Kammgebiet des Erzgebirges weitere Städte gegründet, so Ende des 15. Jahrhunderts die Neustadt am Schreckenberg, die 1501 den Namen St. Annaberg erhielt.
Reiche Erzvorkommen entdeckte man zu dieser Zeit außer im Raum Freiberg, Annaberg auch in Schneeberg und St. Joachimsthal (Jachymov). Auf Grund der reichen Funde erhob sich ca. 300 Jahre nach dem "1. Berggeschrei" das zweite, bzw. "Große Berggeschrei". Eine riesige Besiedelungswelle folgte. Es wurden Straßen gebaut, um das kostbare Edelmetall abtransportieren zu können.
Die wohl bekannteste und berühmteste ist die "Silberstraße" (von Zwickau nach Dresden).
Ende des 15. Jahrhunderts war nun das Erzgebirge flächendeckend besiedelt. Zeugnisse sind die Orte wie z.B. Annaberg, Buchholz, Schneeberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Marienberg, Johanngeorgenstadt, Gottesgab (Bozi Dar), Sebastiansberg (Hora Sv.Sebestiana), Platten (Horni Blatna). Damals wurden Silber- und Zinnerze wirtschaftlich genutzt.
In den Bergstädten verarbeitete man auch das Silber direkt vor Ort zu Geld (s. z.B. die in Joachimsthal geprägten und berühmten "Joachims-Thaler"). Sachsen war nun eins der reichsten Länder Europas.
Den Reichtum, die Macht und die ungeheure Leistung jener Zeit spürt man noch heute, wenn man vor und in den Kirchen in den Bergstätten steht und sie betrachten und bewundern kann. Große Anerkennung und Dankbarkeit gebührt den Menschen, die diese prächtigen Bauten schufen! Ein sehr bedeutendes "Dokument" der damaligen Baukunst ist ganz sicher die in den Jahren 1499 bis 1525 errichtete Stadtkirche St. Annen in Annaberg. Sie ist auch die größte spätgotische Hallenkirche in Sachsen. Auf ihrem berühmten Bergaltar wurde von Hans Hesse der historische Bergbau im 15. und 16. Jahrhundert dargestellt.
Der Freiberger Dom mit seiner bekannten "Goldenen Pforte", das spätromanische Portal und die freistehende Tulpenkanzel oder die St. Wolfgangskirche in Schneeberg gehören ebenso zu den imposanten Bauwerken.
Auch namhafte Persönlichkeiten jener Zeit sollten an dieser Stelle nicht vergessen werden.
Von 1523 bis zu seinem Tod am 30. März 1559 lebte und wirkte der 1492 in Staffelstein geborene Rechenmeister Adam Ries in Annaberg.
Ebenfalls im 16. Jahrhundert führte die 1514 in Annaberg geborene Barbara Uthmann im Erzgebirge das Spitzenklöppeln ein und baute ein großes Vertriebsnetz für die geklöppelte Ware auf. Etwa 900 Frauen und Mädchen fanden bei ihr Beschäftigung. Barbara Uthmann nennt man auch die "Wohltäterin von Annaberg".
Hieronymus Lotter, 1497 in Nürnberg geboren, zog 1509 mit seinen Eltern nach Annaberg. 1548 wurde er zum kurfürstlichen Baumeister ernannt, wurde Ratsherr in Leipzig, übte verstärkt Bautätigkeit in Leipzig aus. 1561 begann er in Geyer das Bergbaubetreiben. 1567 erhielt Lotter vom Kurfürsten den Auftrag, die Augustusburg zu bauen. Er verstarb 1580 in Geyer.
Georg Agricola, 1494 in Glauchau geboren und 1555 in Zeitz beerdigt, Lehrer, Doktor der Medizin und Bürgermeister in Chemnitz, gilt als der berühmte Gelehrte der Bergbaukunde. Er schrieb "De re metallica", die erste systematische Abhandlung in 12 Büchern über Bergbau und Hüttenkunde. Sein Werk, von ihm in lateinischer Sprache verfasst, das ein Jahr nach seinem Tod erschien, war bis in das 18. Jahrhundert hinein das grundlegende Handbuch des Berg- und Hüttenwesens.
Der 30-jährige Krieg (1618-1648), der viele Teile Deutschlands verwüstete und auch der 7-jährige Krieg (1756-1763), stürzten den Bergbau in tiefe Krisen. Zahlreiche Bergwerkseinrichtungen wurden zerstört. Rückgang des Erzbergbaus bedeutete für viele Erzgebirger, sich dieser schweren Situation zu stellen. Sie mussten sich neue Erwerbszweige suchen, bzw. schaffen.
Neben der Entwicklung der Textilproduktion in vielen Orten nutzten die Menschen ihre Talente, ihre Handwerklichkeit und stellten z.B. Holzwaren für den täglichen Gebrauch und verschiedenstes Spielzeug her. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, schafften sie sich somit, man würde heute sagen ein zweites oder mehrere Standbeine.
Nach entspannter politischer Lage blühten im 18. Jahrhundert auch die Silberbergwerke wieder auf und die Technik machte ebenfalls große Fortschritte.
1765 wurde die Freiberger Bergakademie gegründet. Sie gilt als die erste und älteste bergbautechnische Hochschule der Welt. Alexander von Humboldt, Freiherr von Stein, Clemens Winkler und noch weitere andere berühmte Persönlichkeiten studierten an dieser technischen Hochschule. … … … … …
Als im 19. Jahrhundert die Goldmünzen als Zahlungsmittel eingeführt wurden und es somit zum Verfall des Silberpreises kam, die Ausbeute in den Silbergruben immer geringer wurde und zusätzlich die Kosten für die Betreibung der Schächte stiegen, ging es mit dem Bergbau wieder "bergab".
Nur in einzelnen Gruben, wie in Johanngeorgenstadt, Freiberg und Schneeberg baute man noch Buntmetall ab. Und selbst dort war Mitte des 20. Jahrhunderts Schluss mit dem Bergbau, weil die Kosten zu hoch und die Rentabilität zu gering war.
Die Stollen und Schächte und Halden blieben zurück.







