Traditionen gibt es viele im Erzgebirge. Am bekanntesten sind wohl die erzgebirgische Volkskunst und die Bräuche rund um das Weihnachtsfest.
Sie sind einfach nicht mehr wegzudenken, die zahlreichen wunderschönen großen und kleinen Kunstwerke, die in der Advents- und Weihnachtszeit überall hier im Erzgebirge die Wohnfenster und Schaufenster schmücken und in den Abendstunden auch erhellen. Ein Leuchten und Glitzern überall! Und wenn dann noch leise der Schnee rieselt …!
Weihnachtsland Erzgebirge!
Angefangen hat es schon zu frühen Zeiten des Bergbaus.
In den Wintermonaten mit den langen eisigen Nächten und kurzen Tagen sah der Bergmann oft wochenlang kein Tageslicht. Nur die kleine Flamme seiner Grubenlampe schenkte ihm ein winziges, aber sehr wichtiges Fünkchen Helligkeit. Der Bergmann war es auch, der Holz und Messer nahm und sein Ebenbild schnitzte – in seiner schönsten Festtracht mit einem Licht in der Hand, das nie erlöschen möge.
Später gesellten sich ein schützender Engel und viele kleine Engel und Bergmänner dazu. Man stellte sie ins Fenster. Wenn dann der Vater, der Bergmann, des Nachts auf dem Heimweg war, leuchteten ihm die Lichter seines Hauses entgegen. Oft erkannte man daran sogar, wie viele große und kleine "Männlein und Weiblein" sein Haus bewohnten. Der große Engel galt der Ehefrau und jedem Jungen oder Mädchen gehörte ein kleiner Bergmann bzw. Engel. Nach und nach, über viele Jahre, kam in den weihnachtlich geschmückten Wohnungen mehr und mehr dazu: Lichterhäuser, Pyramiden, mechanische Bergwerke, Krippenberge, Puppenstuben und Puppenhäuser, Kaufläden, Pferdeställe, Tischleuchter, Wandleuchter, Deckenleuchter und Deckenspinnen, Holzsterne zum Aufhängen mit Kerzen und Holzperlenschmuck, Schwibbögen, beleuchtete Fensterbilder aus filigransten Laubsägearbeiten, Adventssterne, Nussknacker, Räuchermännchen, Christbaumschmuck und weiteres. Waren die Figuren mit Kerzen ursprünglich als Lichtspender gedacht, entwickelte sich die Herstellung in Zeiten, in denen es mit dem Bergbau "bergab" ging, immer mehr zu einem Handwerk für Lohn und Brot. Oft wurden die Kinder ebenfalls zu diesen Arbeiten mit herangezogen, um die Familie zu unterstützen. In Heimarbeit entstanden all die bewundernswerten Kunstwerke. In ihnen spiegelte sich das Leben hierzulande und der Glaube an Gott wider. Und längst ist es zur festen Tradition geworden, auch in heutiger Zeit höchsten technischen Fortschritts all die typischen Erzgebirgsfiguren, die oft über mehrere Generationen zusammengetragen und sehr pfleglich behandelt wurden, in den Wohnungen mit Liebe und Freude aufzustellen. Es ist schon ein ganz besonderes Ritual, wenn pünktlich vor dem 1. Advent all die zahlreichen "Männeln", Lichterbögen, Pyramiden usw. vom Dachboden oder Keller aus den Kisten, gut verpackt, "aufgeweck"“ werden und die Stuben und Fenster zieren. Da strahlen nicht nur Kinderaugen, wenn dann endlich alles an seinem Platz ist!
All die hübschen erzgebirgischen Kunstwerke finden auch immer mehr Liebhaber in aller Welt. Ständig kommen weitere Figuren und Motive dazu. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und alles wird in den Werkstätten peinlichst genau und sauber gearbeitet. Die Liebe und der Fleiß, die in jedem Teil stecken, kann man sehen und spüren. "Wenn es Rachermannl naabelt…" (wenn das Räuchermännchen nebelt…), d.h. wenn die gedrechselten Gesellen den Weihrauch vom Räucherkerzchen kräftig herauspusten, dann kommt Gemütlichkeit und Wärme auf in den "Hutznstubn" in der Adventszeit im Erzgebirge. Doch was ist eine "Hutznstub" oder ein "Hutznomd"? Wenn die langen Winterabende (Abend = Omd oder Obnd) kamen, trafen sich mehrere Familien bei einer Familie in deren Stube. Die Männer schnitzten. Die Frauen klöppelten, fertigten Posamenten oder nahmen sich eine andere Handarbeit vor. Man spielte Musikinstrumente, z.B. Zither und sang Erzgebirgslieder. An einem anderen Abend ging es dann zum nächsten Nachbarn. So sparte man Licht und Heizung und konnte außerdem noch das Neueste erfahren und berichten. In der Vorweihnachtszeit sind Hutzenabende wieder sehr aktuell und beliebt. Man findet sie in den Veranstaltungsplänen in der Erzgebirgsregion. Besucher aus nah und fern sind sehr gern Gäste solcher Erzgebirgsabende. Oft wird dann noch ein traditionelles erzgebirgisches Gericht gereicht oder der Erzgebirgsstollen gekostet. So einen netten Abend sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
Eine Tradition, die schon mehrmals erwähnt wurde, ist es, in der Advents- und Weihnachtszeit neben Engel und Bergmann und Sternen auch beleuchtete Schwibbögen ins Fenster zu stellen. Der Schwibbogen hat seinen Ursprung ebenfalls im Bergbau. Er wird auch oft als des Bergmanns Dank bezeichnet. So ist eine Deutung, dass die Bergleute nach der Schicht den Stollenausgang als einen großen Bogen sahen, der von den Sternen des Himmels und den Lampen der Häuser erleuchtet war. Eine andere Version ist die, dass der Schwibbogen das bogenförmige "Mundloch" des Bergstollens darstellt und dass um diesen Eingang zur letzten Schicht des Jahres, zur Mettenschicht, die Grubenlampen gehängt wurden. Es gibt Schwibbögen aus Metall und aus Holz. Ein sehr bekanntes und altes Motiv ist der Bogen, unter dem sich zwei Bergmänner, eine Klöpplerin und ein Schnitzer befinden. Mittlerweile hat eine riesige Vielfalt an Schwibbögen Einzug gehalten, angefangen von einfachen ursprünglichen Motiven bis zur Darstellung ganzer Weihnachtsdörfer und -märkte.
Auch die Räuchermännchen und Nussknacker haben in letzter Zeit reichlich Nachwuchs an neuen Darstellungen bekommen. Großer Beliebtheit erfreuen sich z.B. auch die verschiedenen, oft sehr lustigen Kantenhocker. Alles im Detail aufzuzählen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Da sind Sie sicher am besten beraten, wenn Sie sich in den einzelnen gut eingerichteten Geschäften, Onlineshops, Schauwerkstätten oder in Betriebsstätten an "Tagen der offenen Tür" selbst vor Ort umschauen. Garantiert wird etwas passendes Hübsches, typisch Erzgebirgisches zu finden sein!
An den Adventswochenenden ist es in vielen Orten zu einem netten Brauch geworden, die mehrere Meter hohen Weihnachtspyramiden "anzuschieben". Auf ihnen drehen sich, wie auch auf den kleinen Pyramiden für die Wohnung, unterschiedliche geschnitzte und gedrechselte Figuren. So sind beliebte Motive die Krippe mit dem Jesuskind, Maria und Josef, den Hirten und Königen oder Engel und Bergmänner, Märchenfiguren, Holzarbeiter und Klöppelfrauen, Spanbäumchen, geschnitzte Rehe und vieles mehr. Bläsergruppen und Kinderchöre begleiten oft das Ritual des "Pyramideanschiebens".
Auch die Weihnachtsmärkte und die bereits genannten festlichen Bergparaden der Bergbrüderschaften und Knappschaften sorgen für ein ganz besonderes erzgebirgisches weihnachtliches Flair.
Eine sehr gemütliche und vertrauliche Atmosphäre wie bei den Hutzenabenden in der Vorweihnachtszeit herrscht eigentlich das ganze Jahr über in der Vereinstätigkeit. Ob es nun die Schnitzer sind, die Klöpplerinnen, Gesangsvereine oder Volksgruppen, die sich der Erzgebirgsmundart widmen, meist geht es recht gesellig zu und zugleich entstehen wunderschöne bleibende Werke. Welch Heimat verbundenes Liedgut entstand durch Anton Günther und Hans Soph!
Anton Günther, 1876 in Gottesgab (Bozi Dar) geboren, schuf zahlreiche erzgebirgische Gedichte und Sprüche und um die 140 Lieder. 86 Lieder davon gingen als die bekannten Liederpostkarten, bestehend aus Text, Noten und Zeichnung, weit über das Erzgebirge hinaus in alle Richtungen. Anton Günther trat als Heimatsänger zu unzähligen Veranstaltungen in Gaststätten bei Vereinen und vor Freunden auf. In den Jahren 1906 und 1907 durfte er vor dem König Friedrich August von Sachsen auf dem Fichtelberg singen. In seinem Heimatort gründete Anton Günther eine Stiftung zur Unterstützung armer, alter und kranker Menschen. Am 29. April 1937 schied der Heimatdichter Anton Günther von Krankheit gezeichnet, freiwillig aus dem Leben. In seinem Heimatort wurde er unter den Klängen des "Feierohmdliedes" zur Ruhe gebettet. Tausende gaben ihm das letzte Geleit. Lieder von Anton Günther sind: "Feierohmdlied", "Schneeschuhfahrermarsch", "Wu de Walder haamlich rauschen", "Grüß dich Gott, mei Arzgebirg!", "Vergaß dei Haamit net!", "Mei Vaterhaus", "Arzgebirg wie bist du schie!", "O selige Weihnachtszeit!" …
Hans Soph, 1869 in Platten (Horni Blatna) geboren, ebenfalls Dichter und Sänger des Erzgebirges, der auch als gelernter Porzellanmaler einige Jahre in Thüringen und Hannover wirkte, bereicherte selbst viele Heimatabende mit seinen Liedern und Gedichten, oft auch der heiteren Art. 1902 zog er mit seiner Frau nach Zwickau. 1938 wurde er Ehrenmitglied des Erzgebirgsvereins e.V. 10 Tage nach seinem 85. Geburtstag, am 29. Januar 1954, verstarb Hans Soph. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Zwickauer Hauptfriedhof. Lieder von Hans Soph: "Mei Haamit läßt mich grüßen", "De alte Ficht", "Dr. Fink", "De alte Gumfer", "’s Frühgahr", "Der Rutschwanz", "Mei Stübele", "Oh du mei Arzgebirg", "Sachsenlied" …
Verbreitet wurden und werden diese erzgebirgischen Mundartlieder durch die Heimatgruppen. Zu nennen wären unter vielen größeren und kleineren z.B. die Preßnitzer Musikanten, die Zschorlauer Nachtigallen, Geschwister Caldarelli, Joachim Süß und sein Ensemble.
Gegenwärtig begeistern auch De Randfichten mit ihren erzgebirgisch gesungenen Liedern ein breites Publikum.
Und sollten Sie schon einmal etwas von "Neunerla", "Neinerlä", "Neunerlei" gehört haben, dann können Sie sich näher über diese besondere erzgebirgische Tradition am Heiligen Abend unter "Erzgebirgische Küche" informieren. Viel Spaß beim Lesen! Doch, vielleicht probieren Sie es zum nächsten Weihnachtsfest selbst einmal aus!









